Am Sonntag war…Weltfrauentag! Ein Tag, der in Deutschland kaum beachtet wird, aber in viele Ländern ein wichtiger Feiertag ist – so auch in China.
Alle Frauen an der Schule haben am Nachmittag frei bekommen, dafür mussten die Männer mehr arbeiten und sogar in der Schulkantine wurde von den Männern gekocht. Wir Frauen haben uns stattdessen um 12.00 Uhr vor dem Schultor getroffen, und sind dann zu einem Restaurant gefahren, und zwar auf der Ladefläche eines kleinen Lasters, was irgendwie nicht dazu passt, dass an diesem Tag den Rechten der Frauen gedacht werden soll…egal, es hat Spaß gemacht!
Bei dem Restaurant konnte man einen wunder-schönen Tag verbringen: es gab eine schöne Terrasse mit Tischen und Stühlen, und daneben war ein kleiner Teich mit lauter Kaulquappen, und die Kinder, die mitgekommen waren, hatten großen Spaß daran sie zu beobachten und zu fangen. An den Tischen haben sich schnell Vierergruppen zusammengefunden, um Mahjongg zu spielen und dabei Sonnenblumenkerne zu knabbern. Es gab sogar einen Billardtisch, woran Linda und ich viel Freude hatten, und wir haben mit dem Sohn des Sportlehrers ein paar Runden gespielt. Wir haben ein wenig geplaudert, Mandarinen gegessen, Tee getrunken, in der Sonne gesessen…ein richtig schöner Sonntag, zumal auch das Wetter endlich wieder besser war nach vielen Tagen Kälte und Regen.
Am späten Nachmittag dann gab es Essen…eine neue Premiere für uns, denn wir sind ja immer neugierig darauf, wieder einmal etwas zu Essen, was wir zuvor noch nie gegessen haben…und heute gab es: Esel! Auch hier bei weiß ich nicht, ob es eine Bedeutung haben soll, dass es am Weltfrauentag Esel zu essen gab? Das Fleisch hat ziemlich normal geschmeckt, keine besondere ungewöhnliche Note dabei, aber es war unglaublich weich und zart. Vielleicht war es ein junger Esel?
Wen dies jetzt schon befremdet hat, der möchte vielleicht gar nicht wissen, was es nach dem Essen noch zu trinken gab. Wie so oft gab es auch heute wieder Schnaps zu trinken. Vermutlich wieder Selbstgebrannter, aber diesmal etwas verfeinert (wenn man es so nennen will). Und zwar mit Eselblut. Somit war der Schnaps blutrot, und meiner Meinung nach hat es den ohnehin schon ziemlich widerwärtigen Geschmack des Selbstgebrannten nicht gerade verbessert. Das tatsächlich frisches Blut beigemischt wurde, haben wir übrigens erst später erfahren – aber macht ja nix. Es waren auch ein paar Männer mitgekommen (warum eigentlich?), und natürlich wollten diese „wichtigen Männer“ mit uns anstoßen und zuprosten…und ohne etwas mit ihnen zu trinken kommt man aus dieser Situation praktisch nicht heraus. Und immerhin enthält das Blut bestimmt viel Eisen…und die geschätzten 50 % Alkohol haben bestimmt auch alle Krankheitserreger abgetötet. Hoffe ich. Bisher habe ich mich jedenfalls noch nicht in einen Esel verwandelt.
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